Samstag, 6. September 2014

Es wott es Froueli z Märit gaa...

Liebe alle,
heute war Markttag. Um genau zu sein, ist in Münster jede Woche Markt, und zwar mittwochs und samstags der grosse Wochenmarkt und freitags der Biomarkt. 
Bislang haben wir keinen Wochenmarkt verpasst, kaufen wir doch praktisch all unser Gemüse dort. Und da der Domplatz ziemlich gross ist - in Bern gibt es keinen auch nur annähernd so grossen Platz -, ist es auch der Wochenmarkt. An rund 150 Ständen kann man sich laben! 
Das richtig Coole daran ist, dass es für alles nicht einfach nur ein, zwei Stände gibt, sondern jeweils eine ganze "Strasse", also eine 50m lange Stand-Gasse mit Brot und Backwaren (mmmmh, gäu, Chrigu), eine mit Fleisch und Fisch, zwei mit Gemüse, ein Bereich mit Käse, mehrere Honig-Stände, und, und, und... 













Es macht wirklich riesig Spass, sich all das in Ruhe anzusehen und seine Taschen mit frischem Gemüse und leckeren Früchten zu füllen. 




Darüber hinaus gibt es etliche Stände, welche Blumen anbieten. Ob das wohl an der Nähe zu Holland liegt? 










Zumindest die etwa 5 holländischen Lakritz-Stände sprechen dafür (abgesehen natürlich von den bei mir, Rich, sehr beliebten Häuser am Prinzipalmarkt) 

Ein Highlight für Mali war bestimmt auch der Stand mit den Tieren, welche hier frei auf dem Markt verkauft werden.



Man darf nur ja nie den Fehler machen und mit dem Kinderwagen dorthin gehen. Dann erreicht einen wieder einmal der münsteraner Charme, wenn man sich am besten mit dem zum stossbaren Gefährt umgebauten Veloanhänger durch den zeitweise überfüllten Markt (nach etwa 10 Uhr tummeln sich abertausende Menschen) vorzuarbeiten versucht. Aber man lernt ja beständig dazu und so sind wir heute elegant mit Rucksäcken und Tragetuch ausgerüstet um halb zehn aufgekreuzt, steuerten zielsicher unseren Bio-Gemüse-Stand an.


Aber nicht nur beim Einkauf bewegen wir uns langsam aber sicher fast wie Münsteraner, nein, auch die Grundregel des Velofahrens ist uns schon in Fleisch und Blut übergegangen: Heute haben wir auf dem Heimweg vom Markt doch tatsächlich lauthals lachend die ersten Touristen vom Veloweg weggeklingelt! Ha, Münster, wir kommen! Ach ja, und auch Mali wird langsam ein kleiner Münsteraner: Gestern Freitag ist er mit seiner blauen Leeze in die Kita und wieder zurück gefahren! Ist ja auch super, wenn man wie ein kleiner Prinz den repräsentativen Schlossplatz überqueren kann, wenn man in die Kita fährt...





 


Bis bald   Corinn & Rich


Donnerstag, 4. September 2014

Münster und seine Leezen

Liebe alle,

es ist wieder einmal Zeit für eine nächste Info zu unserer neuen Wahlheimat. Wie wir voller Vorfreude schon seit Monaten allen unter Nase gerieben haben, ist für uns nun effektiv erlebbar geworden: die mehrmalige Fahrradhauptstadt Europas - Münster.




Münster ist für Velofahrer ein Paradies! Es gibt in Münster während des Semesters fast doppelt so viele Drahtesel wie Einwohner. Und entsprechend gibt es auch mehr Fahrraddiebstähle als in irgendeiner anderen Stadt in Deutschland. Dies verwundert aber auch nicht, wenn man bedenkt, dass je nach Statistik zwischen 35 und über 50% der täglichen Fahrten in Münster mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Auf dem Stadtgebiet gibt es 300 km Velowege und so sind diese meist angelegt: Links auf dem Trottoir befindet sich ein rosa gepflasterter Streifen für die Velos und rechts der Weg für die Fussgänger in grau (wobei sich diese beiden Farben in der Nacht kaum unterscheiden...).



 Hier ein eher schmales Trottoir


Kurz: Münster ohne Velo geht nicht. 
Da ziehen wir doch mit:






Kaum etwas liegt weiter als 5 km entfernt und für uns Gämsen der Schweiz ist es wunderbar, dass mit der Leeze (münsterisch für Velo) keine Berge erklommen werden müssen. 


Allerdings hat die Sache auch ihre Tücken: Dass gefühlsmässig jede und jeder mit dem Velo unterwegs ist, bedeutet handkehrum auch, dass es viiiele davon gibt. Und sie sind schnell, z.T. sehr schnell. Und ziemlich - ich sag' jetzt einmal - offensiv. Also gemeingefährlich. Ein Beispiel: 




Näherst du dich als naiver (Schweizer) Fussgänger einer Kreuzung, darfst du um Herrgottes Willen nur ja NIE vergessen, kurz den Radweg, der zumeist auf dem Trottoir ist, abzuchecken. Sonst könnte es gut passieren, dass du über den Haufen gefahren wirst. Und komm' nur ja nie auf die Idee, auf dem Radweg zu gehen! Da wünschten sich die MünsteranerInnen auf dem Velo, sie hätten eine LKW-Hupe und könnten dich mit 150 Dezibel wegdröhnen...

Daran gewöhnt man sich aber relativ rasch, und auch Mali hat sich an die dunkelrot gepflasterten Streifen auf dem Trottoir eingestellt und protestiert jeweils lautstark, wenn irgend jemand darauf geht. Item, die Sache geht aber noch weiter, denn auch als Velofahrer bist du vor den Tücken nicht gefeit. Zuerst denkst du: "Wunderbar, hat ja überall Velowege" und hast schon Veloampeln entdeckt. Zumindest einige. Leider aber nicht genug. Manchmal kommst du an eine Ampel und suchst verzeifelt nach einer. Dann erlickst du in einem glücklichen Moment ein Schild unter der normalen Fussgängerampeln, dass sie auch für Velos gilt. Manchmal findest du aber auch das nicht. Da ist guter Rat teuer, denn auf die ortsansässigen Radler kannst du nicht gehen, weil denen sowieso die Strasse gehört. Was also tun? Man will ja alles richtig machen oder hat gar noch einen Anhänger mit zwei unbezahlbaren kleinen Menschlein drin. Ich habe mir sagen lassen, dass in einem solchen Fall die Velofahrer frei sind. Ob das wirklich so stimmt? Wir werden bald mal ein Video machen und hier posten um euch die Mumbay-artigen Zustände hier in Münster zu zeigen...


Um es vorweg zu nehmen: Es beschleicht einen den Eindruck, dass Anarchie herrscht. So einfach ist die Sache aber nicht, denn es gibt noch viele Fragen, die gewohnheitsrechtlich z.T. aber beantwortet zu sein scheinen. Z.B.: Herrscht denn auch Rechtsverkehr auf den Velowegen oder darf man auch auf dem linken Trottoir fahren? Antwort: NEIN!! Man erntet irgendetwas im Spektrum, das von bösen Blicken, Klingeln, energischem Klingeln, fassungslosen Blicken mit Kopfschütteln bis hin zu direktiven Lautäusserungen mit eindeutig aggressivem Unterton reicht. 

Wie überholt man? Noch wichtiger, da mit dem Anhänger unterwegs: Wie wird man überholt? (Im Extremfall wird man auf das Fussgänger-Trottoir rübergeklingelt, so dass der Hintermann oder die Hinterfrau auf dem Velostreifen überholen kann, was ich persönlich eher kontraintuitiv finde)
Aber auch kleine Fragen, wie: Was tun an einer Kreuzung, wenn man auf dem Veloweg (auf dem Trottoir!) angesaust kommt und links abbiegen will? Auf die Strasse und für links einspuren oder zweimal eine rote Ampel in Kauf nehmen, wenn man wie ein Fussgänger zwei Mal die Strasse überquert? Fragen über Fragen, mit denen ich euch in den Feierabend entlasse.



Bis bald Rich

Mittwoch, 3. September 2014

Malis Münster Teil 2

Hier wieder einige Bilder, die wir auf unseren Handys gefunden haben:






Prinzipalmarkt

Liebe alle,

auch wenn es viele Unterschiede zu unserer alten Heimat gibt, hat Münster doch auch einiges, was uns sehr stark an Zuhause erinnert. So etwa die Lauben des Prinzipalmarkts im Herzen von Münster.



Zugegeben, es gibt nur einen Bruchteil an Lauben im Vergleich zu Bern, doch wenn man darunter steht, könnte man sich fast in Bern wähnen. 
Von aussen betrachtet wird man eher an Holland erinnert (ist ja auch nur 50Km entfernt):






Der Prinzipalmarkt ist aber nichts für unser Studentenbudget. Hier sind alle Schickimicki-Läden untergebracht und schlagartig sieht man nicht mehr Ökos und Studis, sondern eher Giorgios und Cocos zwischen 45 und 65. Zumindest sind die Lauben somit nicht so verstopft wie in Bern, trotzdem erntet man etwas mürrische Blicke, wenn man mit dem Kinderwagen versucht, einen Bogen um die schicken Lederjacken zu fahren. Apropos mürrisch: Münsteraner/innen sind im Allgemeinen eher etwas launische Zeitgenossen/innen. Oft kommt es ihnen nicht mal im Kundenkontakt in den Sinn, die Mundwinkel entgegen der Schwerkraft zu verziehen. Auch wissen sie oft alles besser und sparen sich auch keinen Kommentar, z.B. zur Kindererziehung.
Wir geben aber nicht auf und veruchen den Münsteraner/innen durch unsere hartnäckige Freundlichkeit ein Lächeln zu entlocken. Sei dies, indem Rich mit seiner ländlichen Ader jeder einzelnen Kassenfrau einen schönen Tag wünscht. Im Notfall sogar mit unserem Joker, dem künstlichen Schweizerakzent. 

Zurück zum Prinzipalmarkt: Gleich beim Prinzipalmarkt steht auch die Lambertikirche. 





 

Oder wie Mali sagen würde: "Lueg mau, ds Münster vo Münster!"

Obwohl Münster voller gotischer Kirchen ist, ähnelt diese in der Tat ein wenig dem Berner Münster. 


Mit heimatlichen Grüssen aus Münster
Corinne & Rich










Montag, 1. September 2014

Land unter im ersten Stock

Liebe alle,

nicht dass ich vorhabe, jetzt jeden einzelenen Tag der ersten Woche nachzuholen, jedoch müssen wir euch unbedingt noch von unserem zweiten Tag erzählen. Dieser begann nicht unbedingt sehr ereignisreich: Wir haben ausgeschlafen, naja wir haben uns vorgestellt, wie es wohl wäre jetzt auszuschlafen (danke Jungs!) und haben uns nach dem Frühstück auf den Weg zum Markt gemacht. Dieser ist hier in Münster auf dem Domplatz ist wirklich echt riesig und absolut einen Besuch wert!

Aber kommen wir nun zum wirklich wichtigen Teil dieses Tages: Nach einem wunderbaren Znacht im "Kleinen Kiepenkerl" haben wir meine Eltern verabschiedet und sind zu unserer Wohnung hoch gegangen.
Rich öffnete die Tür und Mali trat ein und patschte mit den Füssen.
Rich: "He spritz nicht mit dem Wasser! ... Wassser?! Moment mal...."

Der Strom funktionierte bereits nicht mehr und wir haben mit unserer Taschenlampe auf dem Handy ins Wohnungsinnere gezündet....

Das Wasser stand CA.2-3CM HOCH!!!

Schnell habe ich meine Eltern zurückgerufen und wir haben zusammen mit zwei weiteren Nachbarn 2 Stunden lang Wasser aus unserer Wohnung geschöpft.










Da noch alle Kisten rumstanden, standen diese natürlich auch im Wasser, genauso wie unser neuer Teppich. Das gute daran war, dass wir nicht alle Dinge einzeln packen mussten, sondern gleich die ganze Kiste nach draussen oder hochstellen konnten. Und geputzt war auch gleich noch....;)

Ihr fragt euch jetzt sicherlich was passiert war: Es war der Warmwasserboiler und laut Sanitär hatten wir riesiges Glück, dass wir ca. 10-15 Minuten nach dem Leitungsbruch nach Hause kamen, ansonsten wäre wohl auch die Wohnung der darunterliegenden Nachbarn betroffen gewesen. Am Montag konnten wir dann wieder unser Geschirr in der Küche waschen und nicht mehr im Badezimmer.


Bis Bald,  Corinne


Ach ja, und dann war ja noch die irrwitzige Geschichte zwei Tage später: Nachdem nun alles wieder trocken war und zumindest in der unteren Etage der Wohnung der Boden wirklich sauber - die Wohnung fühlte sich erstmals Feng Shui-mässig sauber an - traf ich, Rich, per Zufall auf die Putzfrau des Alexander-von-Humboldt-Hauses (ja, wir haben in der Tat Anrecht auf 1x pro Monat Putzfrau für Küche und Bad!). Natürlich war sie schon informiert und musste die Sache ansprechen. Mit dem lockeren, aber durchaus Ernst gemeinten Spruch: "Da hätte ich ja gar nicht zu putzen brauchen", wollte sie das Eis brechen. Um meine Reaktion zu verstehen zuerst einmal ein paar Bilder der Wohnung, wie wir sie angetroffen haben - mitunter NICHT die schlimmsten:














Mit aller Kraft musste ich unterdrücken, lauthals herauszuprusten und sie auszulachen. Aber dies wäre bei einer solch mächtigen Person wie der Putzfrau eine äusserst schlechte Idee. Zweiter Reflex: Sie fragen, ob sie das Ernst meine und sie darauf hinweisen, wie dreckig die Wohnung ist, natürlich mit visuellem Beweis der Örtlichkeiten. Immer noch eine schlechte Idee, also weiter abmildern, dachte ich mir. Ein sarkastischer Spruch? Nein, auch nicht, also blieb nur ein: "Jaaa, genau!" mit innerem auf-die-Finger-beissen und Geisselung des Rich-eigenen Shellys (Sheldon Cooper)...

Liebe Putzfrau, falls Sie dies lesen sollten: Seien Sie uns nicht böse, wir mussten nur schmunzeln...


Bis Bald, Rich




Malis Münster Teil 1

Auf dieser Seite werde ich immer mal wieder Fotos zeigen, die Mali selber gemacht hat, um seinen Alltag zu dokumentieren: